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Volltext: Tribus, 63.2014

Buchbesprechnungen Süd- und Südostasien 
201 
SÜD- UND SÜDOSTASIEN 
Donald M. Stadtner 
Sacred Sites of Burma. Myth and Fol 
klore in an Evolving Spiritual Realm 
Bangkok: River Books, 2011. 
ISBN: 978-974-9863-60-2. 
348 Seiten, 482 Abbildungen, 12 Karten. 
„Sacred Sites of Burma“ ist ein kürzlich erschienenes 
Buch von Donald M. Stadmer, das sich äußerst detailliert 
mit der sakralen Landschaft Myanmars auseinandersetzt. 
Stadtner, der an der University of California (Berkeley) 
in Indischer Kunst promoviert hat und lange Zeit an der 
University ofTexas als Professor tätig war, hat zahlreiche 
Werke über die Künste Indiens und Myanmars publiziert 
und gilt als Experte auf diesem Gebiet. 
Burma, das heute offiziell Myanmar heißt, wird stark 
vom 'Iheravada, also der ältesten noch existierenden 
Schultradition des Buddhismus, geprägt. Diese tief grei 
fende Verwurzelung har nicht nur eine einschneidende 
Wirkung auf alle Lebensbereiche der rund 55 Mio. Ein 
wohner, sondern auch auf deren physische Umgebung: 
das Land besitzt unzählige heilige Stätten, die laut Buch 
einband zu den schönsten und spektakulärsten in Asien 
gehören und massenhaft sowohl Gläubige als auch Tou 
risten anziehen. Neben einer umfangreichen Auflistung 
und Beschreibung der bekanntesten Bauwerke und Orte 
fragt Stadtner auch danach, welche Faktoren für deren 
(dauerhaften) „Erfolg“ von Bedeutung sind. 
Das Buch leitet demnach mit einer generellen Einfüh 
rung in „das Leben“ heiliger Stätten in Burma ein, wel 
che deren Aufkommen, Bestehen oder Vergehen auch 
aus theoretischer Perspektive beleuchtet und zu erklären 
versucht. Verheißungsvoll sei dabei eine Kombination 
aus einer direkten Verbindung zum historischen Buddha 
Siddhartha Gautama, dessen Reliquien sowie zu (erdach 
ten oder tatsächlichen) legendären Königen. Reliquien, 
die prinzipiell eine Vielzahl unterschiedlicher Objekte 
umfassen können, würden erst durch die „Inkraftset 
zung“ durch einen Herrscher aktiv (S. 19) - dieser Um 
stand erkläre auch neuere Projekte, wie beispielsweise die 
Renovierung von Pagoden in Bagan durch die ehemalige 
Militärregierung, da auf diese Weise politisch motivierte 
Inszenierungen und Identifizierungen mit historischen 
Königen möglich würden (S. 68). 
Weiterhin seien die mit den jeweiligen Stätten verknüpf 
ten Mythen, die ihr Entstehen und den Ursprung der 
in ihnen bewahrten, heiligen Reliquien erklären und 
legitimieren, relevant. Interessant ist in diesem Zusam 
menhang, dass häufig zwei zu unterscheidende Ebenen 
der Geschichtsschreibung zustande kommen: zum einen 
die der sagenhaften Erzählungen und zum anderen die 
der fundierten Informationen (S. 214). Mit den Legen 
den können auch die heiligen Stätte selbst wie aus dem 
Nichts auftauchen und wieder verschwinden, sich weiter 
entwickeln und mit anderen Orten und Geschichten in 
Zusammenhang gebracht werden; dies würde auch ihre 
sich stets verändernde Anzahl erläutern. 
Kurz zusammengefasst kommt Stadtner in Bezug auf die 
Frage nach der „Essenz“ sakraler Bauten und Figuren zu 
folgender Hauptthese: “A sacred site, above all, must ins- 
pire people to believe that their most heartful prayers and 
precious material donations will advance their ongoing 
needs in this life and even sometimes into the next. A 
successful site must therefore embody power, hope, and 
sanctity, in equal measure. These critical qualities come 
into play only if the sacred sire is hallowed by tradition 
and endorsed by the community” (S. 17). 
In den folgenden sieben Kapiteln werden die im gan 
zen Land verstreuten Stätten nach Regionen unterteilt 
vorgestellt, wobei Stadtner grob einer geographischen 
Ausrichtung von Süden nach Norden folgt: zunächst die 
einstige Hauptstadt Yangon, die bis heute das wirtschaft 
liche und kulturelle Zentrum des Staates darstellt, sowie 
das Gebiet des ehemaligen Mon-Reiches; dann den Ay- 
eyarwaddy-Fluss hinauf über Prome, Magwe, Pagan und 
Ava bis nach Amarapura, Mandalay und Mingun. All 
diesen Gegenden werden heute hauptsächlich von den 
die Mehrheit bildenden buddhistischen Bamar besiedelt 
und geprägt. 
Myanmar besitzt allerdings rund 130 verschiedene eth 
nische Gruppen, wobei die Minderheiten vor allem 
die Grenzregionen des Staates bevölkern. In religiöser 
Hinsicht bekennen sich offiziell über 90 Prozent der 
Einwohner zum Buddhismus, doch auch andere Religi 
onen sowie der lokale Glaube an die Nat-Geister sind 
lebendig und sichtbar. Um auf diese Vielfalt zumindest 
hinzuweisen, werden die bedeutendsten Bauwerke der 
muslimischen, hinduistischen, jüdischen und christli 
chen Minderheiten in Yangon vorgestellt und den Shan 
im Osten des Landes sowie den Rhakine im Westen zwei 
kürzere Kapitel gewidmet. Zudem greift Stadtner die 
Debatten um die Einflüsse der Mon und der Pyu auf die 
dominierenden Bamar auf (z.B. in Bezug auf Bagan auf 
S. 214-218).
	        
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